Wir alle bewundern gerne von Zeit zu Zeit das Leuchten einer Vollmondin, freuen uns darüber sie am Himmel zu sehen. Doch um ihre tiefe innewohnende Urkraft, ihr uraltes Wissen und ihre Energie wissen nur die wenigsten. Dabei wurde die Mondin in Naturvölkern stets hoch verehrt. Wer sich zudem mit dem alten yogischen Wissen beschäftigt, weiß, dass speziell mit dem Mondlicht gearbeitet wurde und es gibt Formen von Sadhana (tägliche spirituelle Praxis), bei denen das Mondlicht eine besondere Rolle spielt.
Das Leuchten der Mondin war es, das mich vor knapp sieben Jahren dazu gebracht hat, die Wüste Teil meines Lebens werden zu lassen. Es gibt vieles das ich an der Wüste liebe, doch der nächtliche Sternenhimmel und das Leuchten der Mondin – mal stärker, mal schwächer, haben mich in der Tiefe meines Seins berührt. Im Mondlicht zu baden, sprich mit aller Offenheit und voller Bewusstheit durch die Dunkelheit zu wandeln und das Mondlicht in jede Zelle eindringen zu lassen, ist unglaublich kraftvoll, archaisch und rückverbindend.
So oft sprechen wir davon, dass wir uns nach der Sonne sehnen, insbesondere nach den langen Wintermonaten. Oder auch in einem verregneten kalten Sommer sehnen wir uns nach Sommertagen. Doch wie oft sprechen wir davon, dass wir uns nach einer wolkenlosen Nacht sehnen, in der uns das Licht der Mondin sanft berührt? Im Gegenteil, oberflächliches Halbwissen sagt sogar: der nächste Vollmond; man schläft schlechter, manche Menschen werden „komisch“… Ja, eine Vollmondin hat Kraft, das liegt in ihrer Natur, aber diese ist nicht negativ. Diese Diffamierung der Kraft der Mondin einerseits bzw. ihr geringer Stellenwert zeigt vor allem eines: es ist eine andere Ausprägung davon, dass in unserer Welt, und insbesondere der westlichen Welt, die männliche Energie stärker gelebt und weit mehr geschätzt wird als die Weibliche. Die westliche Welt ist weit mehr von männlichen Prinzipien durchdrungen als manch „rückständige“ und ursprünglich lebende Völker. Wir pflastern unsere Terminkalender voll, werden von Kindesbeinen an zu Leistung erzogen und es wird erwartet, dass wir Tag für Tag gleichbleibend gut funktionieren. Linearität und Kontinuität ist ein männliches Prinzip. Ein zu viel dieser Energie schadet nicht nur Frauen, sondern auch Männern. Doch Männer vertragen naturgemäß und im Durchschnitt ein höheres Maß männlicher Energie in ihrem System. Und wie sehr wurden wir Frauen geprägt zu jeder Zeit sanft, lieblich und aufopferungsvoll zu sein? Gleichbleibend, konstant. Das widerspricht der weiblichen Natur vollkommen. Wir alle sind reines Bewusstsein, inkarniert in einem physischen Körper. Unser Bewusstsein ist nicht männlich oder weiblich. Und doch spielt der physische Körper in diesem Leben eine maßgebende Rolle für uns. Sind wir doch eng mit ihm verbunden und er trägt uns durchs Leben. Nur durch unseren Körper werden unsere Erfahrungen auf Erden möglich.
Deswegen dürfen und sollten insbesondere wir Frauen uns mit der Kraft der Mondin beschäftigen. Die Mondin ist dieses wunderschöne Leuchten am Firmament, das uns zu jeder Zeit aufzeigt: alles Leben auf Erden ist zyklisch. Frauen sind durch ihre Physis enger mit der Natur verbunden als Männer. Unser Zyklus hat sich auf einzigartige Weise mit dem der Mondin verbunden. In jedem Naturvolk, in dem Frauen nicht durch dicke Mauern vom Mondlicht getrennt sind, bluten Frauen im Gleichklang mit dem Rhythmus der Mondin.
Ich bin der Auffassung: eine Frau die sich regelmäßig bewusst dem Mondlicht aussetzt kann gar nicht anders, als sich nach und nach der urweiblichen Prinzipien bewusster zu werden. Und genauso wird eine Frau, die sich mit weiblicher Kraft beschäftigt, nicht umhin kommen, sich an irgendeinem Punkt auch mit der Mondin zu befassen. Die Mondin repräsentiert die urweibliche Kraft auf starke und archaische Weise. Was wir daraus lernen können? Eine Menge. Für jede Frau wird die Mondin andere Aspekte enthüllen. Genau das was für die betreffende Frau gerade wichtig ist und ansteht. Doch ein Herzensanliegen von mir persönlich, dass ich allen Frauen mitgeben möchte, ist: erkennt, dass ihr nicht zu jeder Zeit gleichbleibend sein müsst. Ihr müsst nicht jeden Tag stark und liebevoll und gut gelaunt sein. Ihr müsst nicht jeden Tag in eurer Kraft sein. Mal scheint euer Licht stärker und mal ist es verschwindend gering – wie die Mondsichel der Neumondin.
Vertiefen wir unsere spirituelle Praxis dem ursprünglichen Yoga entsprechend, nehmen wir zunehmend unser vom Körperlichen unabhängiges Bewusstsein wahr – männlich-weibliche geprägte Identitäten beginnen sich nach und nach aufzulösen. Schwankungen auf körperlicher, emotionaler, mentaler und energetischer Ebene werden geringer. Das ist ein Weg spiritueller Praxis und wer auch immer diesen Weg beschreitet: er ist kraftvoll, beständig und ermächtigend.
Und zeitgleich dürfen wir nicht vergessen, dass wir hier auf Erden auch eine physische Erfahrung machen. Insofern dürfen wir unserer physischen Existenz und ihren Ausprägungen und Bedürfnissen Raum geben. Als spirituelles Wesen (Bewusstsein) inkarniert in einem weiblichen Körper, sind wir in diesem Leben enger mit den weiblichen Energien und Prinzipien verbunden. Und jedes System funktioniert nur, wenn es in seinem ureigensten Gleichgewicht schwingen darf.
Solange wir als Gesellschaft wie auch als Individuen in einem Übermaß an männlicher Energie leben, wird es kein Gleichgewicht geben. Und ohne Gleichgewicht keine Gesundheit, kein Frieden, keine Lebenskraft. Und auch wenn wir es schon nicht mehr hören können: Es fängt in uns selbst an. In jeder und jedem von uns. Manchmal fragen wir uns schon fast verdrießlich: Was hat das schon für eine Wirkung, wenn die ganze Welt ist wie sie ist? Doch du wirst sehen: Es wird sich alles ändern. Wenn sich dein Leben maßgeblich ändert, ändert sich für dich die Welt. Und jede Veränderung zieht Kreise. Ermächtigst du dich, berührt es auch dein Umfeld. Und wann immer du zweifelst oder dich alleine fühlst auf diesem manchmal endlos erscheinenden Weg des bewussten Lebens - wisse: Wir sind viele. Auch wenn wir nicht alle in der Sichtbarkeit sind, so versichere ich dir: es gibt so viele weitere Menschen wie dich und mich. Menschen die ebenfalls tiefer gehen und sich nicht mit den Oberflächlichkeiten des Lebens zufrieden geben. Deswegen: Du machst einen Unterschied.
Du hast diesen Text bis hierher gelesen, allein das macht schon einen Unterschied. Und nun darfst du damit beginnen, wenn du gewillt bist, dir deiner weiblichen Urkraft bewusst zu werden. Zu spüren wo deine männliche und weibliche Energie noch nicht harmonisch miteinander schwingen. Dich mit dem Licht der Mondin bewusst zu verbinden, wenn sie das nächste Mal scheint. Mach dich auf den Weg. Das Leben ist zu kurz und zu wertvoll um es in seiner vollen Lebendigkeit zu verpassen.
URKRAFT ~ WEIBLICHES ERWACHEN ~ ERMÄCHTIGUNG
Vollmondnacht in der Wüste

